Wie kaum ein anderer Bergbeamter steht Oberbergrat Julius Albert (1787-1846) für die Innovationskraft des Oberharzer Bergbaus in Zeiten von Stagnation und Not. Seine langjährigen Versuche mündeten 1834 in die Erfindung des Drahtseils aus Eisen. Es hielt bei der Erzförderung im Gegensatz zu den bis dahin verwendeten Hanf- und Kettenseilen eine um ein Vielfaches höhere Belastung aus. Damit wurde der Bergbau im Oberharz revolutioniert und eine drohende Krise abgewendet.
Jahrhunderte lang wurde die Erzförderung
zunächst mit Hanf-, später mit Kettenseilen
bewältigt, was bei der zunehmenden Tiefe der
Schächte erhebliche Probleme verursachte. Der
Verbrauch der Hanfseile und die damit verbundenen
Kosten waren enorm hoch. Kettenseile hatten bereits
bei 400 Meter Länge selbst das fünffache Gewicht
einer gefüllten Erztonne und rissen allein durch
das hohe Eigengewicht. Eine Lösung war angesichts
der monostrukturellen Abhängigkeit der Oberharzer
Bevölkerung vom Erzbergbau dringend
notwendig.
In dieser Situation gelang Oberbergrat Albert
gemeinsam mit seinem Bergschmied Mummenthey nach
vielen Experimenten im richtigen Augenblick die
Herstellung des ersten Drahtseiles aus Eisen. Aus
drei Litzen zu je vier Drähten wurde ein Seil
gedreht, das sechsmal mehr als das Hanfseil tragen
konnte und viermal mehr als die Kette, die zudem
achtmal schwerer war als das Drahtseil. Auf der
ganzen Welt ist heute das Albertsche Drahtseil aus
dem technischen Alltag nicht mehr wegzudenken.
Wilhelm August Julius Albert wurde am 27. Januar
1787 in Hannover geboren und studierte zunächst
Rechtswissenschaft an der Universität Göttingen. Seit
er 1806 als junger Mann den Oberharz besuchte,
beschloss Albert, sein Leben dem Bergbau zu widmen.
Sein Fleiß und sein Können bescherten ihm eine
unglaubliche Laufbahn als erfolgreicher
Bergbeamter.
Höhepunkt seines Lebensweges war die Verleihung des
Titels Bergrat, der eigens für ihn geschaffen wurde.
Wegen seiner bürgerlichen Herkunft konnte Albert kein
Berghauptmann werden, obwohl er ab 1825 faktisch
dessen gesamten Aufgabenbereich als erster
Oberbergrat und Dirigent der Berghauptmannschaft
Clausthal erfüllte. 1840 wurde er offiziell direkter
Nachfolger des verstorbenen Berghauptmanns Friedrich
Otto Burchardt von Reden.
Der Diener und Bergschmied Mummenthey berichtet vom
umfangreichen Arbeitspensum und dem
durchstrukturierten Arbeitstag des Oberbergrats
Julius Albert. Er sei um 4 Uhr morgens aufgestanden,
nach einer halben Stunde Mittag sei er durch die
verschiedenen Bergbaureviere geritten, danach habe er
bis 10 Uhr abends gearbeitet und gern „stark
gegessen“ - seine Leibspeise seien Bohnen mit Speck
und warme Buchweizenkuchen gewesen. Oberbergrat
Julius Albert starb 1846 im Alter von 59 Jahren und
wurde auf dem Alten Friedhof in Clausthal feierlich
beigesetzt.
Auf dem Alten Friedhof in Clausthal steht ein
kleines Mausoleum, welches das Grab des großen
Erfinders Julius Albert birgt. An der Vorderseite
des Landesamts für Bergbau, Geologie und Energie
(ehemals Amtshaus) befindet sich eine
Erinnerungstafel, im Inneren ist im Foyer ist eine
kleine thematische Vitrine eingerichtet. Ein Modell
des ersten Drahtseils der Welt, das auch seine
Entstehung zeigt, ist im Oberharzer
Bergwerksmuseum in Zellerfeld zu sehen. Auf der
Bremerhöhe erinnert die „Oberbergrat-Albert-Schule“
- Berufsbildende Schulen Bad
Harzburg/Clausthal-Zellerfeld – an ihren großen
Namensgeber. (mk/HA)