Die Marktkirche zum Heiligen Geist ist eine der
größten Holzkirchen der Welt. Im Zentrum von
Clausthal auf dem ehemaligen Marktplatz bietet sie
Raum für über 2.000 Menschen. Das 1642 geweihte und
dem Heiligen Geist gewidmete Gotteshaus entstand im
Barock - äußerlich zu erkennen an den welschen Hauben
des Glockenturms und des hinter ihm sitzenden
Dachreiters.
Als reiner Holzbau hat die Marktkirche eine singuläre
Stellung in der europäischen Architekturgeschichte.
Wegen ihrer reichhaltigen Ausstattung war sie Vorbild
für zahlreiche andere Kirchen im norddeutschen Raum,
z.B. für die Johanniskirche in Wolfenbüttel. Ihre
künstlerisch wertvolle Ausstattung, die Ehrenloge für
hohe Bergbeamte (welche in Notzeiten mit großzügigen
Stiftungen zur Inneneinrichtung beitrugen) und auch
eine große Erzstufe belegen eindrucksvoll die enge
Verflechtung von Kirche und Bergbau über fast 400
Jahre und zeugen zugleich vom hohen geistigen Niveau
der damaligen Gesellschaft.
Seit ihrer Gründung Mitte des 16. Jh. waren die
Freien Bergstädte Clausthal und Zellerfeld durch den
Abbau reicher Erzvorkommen so stark gewachsen, dass
schon 1610 in Clausthal eine Hauptkirche für 1500
Personen neu gebaut werden musste - die ältere
Gottesackerkirche konnte die damalige Bevölkerung
nicht mehr fassen.
Schon 1634 wurde diese neue Kirche während einer
Brandkatastrophe vernichtet, und mit ihr ein großer
Teil der Bergstadt Clausthal. Trotz schwerer Zeiten
im 30-jährigen Krieg und der durch den Brand
vernichteten Häuser und Vorräte begannen die
Bergleute zügig mit dem Neubau ihrer Kirche - in
einer einzigartigen Kraftanstrengung und mit höchstem
künstlerischen Aufwand.
Am Pfingstsonntag 1642 wurde die Marktkirche zum
Heiligen Geist nach acht Jahren Bauzeit geweiht.
Entstanden war eine imposante Kirche, die nach
Erweiterung Platz für 2000 Menschen bot (bei 6.000
Clausthaler Einwohnern) - ein eindrucksvolles
Dokument für die tiefe Verbundenheit der Bergleute
mit ihrer Kirche. Ein Viertel der Baukosten war aus
privaten Spenden finanziert worden - das bedeutet
übertragen auf heutige Verhältnisse ein
Spendenaufkommen von mehreren Millionen Euro.
Der Glockenturm wurde von der Berghauptmannschaft
finanziert und bereits 1637 noch vor dem eigentlichen
Kirchengebäude errichtet, damit die Bergleute durch
die Anfahrglocke zum pünktlichen Schichtbeginn
gemahnt werden konnten.
Im Laufe ihrer Geschichte sind an der
Marktkirche immer wieder bauliche Veränderungen
vorgenommen worden. So wurde z.B. bereits 1689 das
Kirchenschiff um 12 Meter nach Osten erweitert, so
dass die Kirche heute 36 Meter breit und 57 Meter
lang ist. Im Erweiterungsbau wurde das Deckengewölbe
höher ausgeführt als im ursprünglichen Kirchenschiff,
um die Orgel hinter den Altar verlegen zu können.
Unter der Empore an der Turmseite befindet sich heute
eine Winterkirche mit etwa 120 Plätzen. Sie wurde
1974 eingebaut, um Heizungskosten zu
sparen.(hz/HA)Die Marktkirche in Gefahr