Buntenbocks Tradition als Fuhrherrendorf ist so alt wie die Oberharzer Bergstädte. Um 1720 bekam es eine eigene Kapelle mit Friedhof. Noch heute ist die Kapellengemeinde Buntenbock eigenständig, aber der Kirchengemeinde Clausthal angegliedert - eine historisch gewachsene Besonderheit.
Nähere Informationen zur Kapellengemeinde Buntenbock
Sonntags nach dem Gottesdienst von ca. 11 - 12.30 Uhr
Die kleine Fachwerkkapelle hat ein Tonnengewölbe. Von außen ist sie harztypisch mit Holz verschalt, während ihre Innenausstattung schlichte Eleganz ausstrahlt. Die hervorragende Akustik der Kapelle kann man bei wiederkehrenden Konzerten und Musikabenden (z.B. Veranstaltungsreihe „Musik in der Dorfkirche“) erleben.
Die Bemühungen um die heute Buntenbocker Kapelle
beginnen etwa um 1700, als Buntenbock etwa 300
Einwohner hatte.. Zu dieser Zeit hatte der Ort schon
einen Kantor, ein Gotteshaus und eine Schule -
allerdings dürften sie baufällig gewesen sein, denn ein
Neubau wurde geplant. Trotz eines gewissen Wohlstandes
konnten die Buntenbocker Fuhrleute die Kosten
allein nicht aufbringen, „weil zu unvermögent“ - so
heißt es in einem Spendenaufruf des Clausthaler
Berghauptmanns zur Unterstützung des Vorhabens.
Vermutlich wurde die Kapelle 1724 fertig, die Glocke
stammt aus dem Jahr 1719. Zuständig für die geistliche
Betreuung der Buntenbocker Gemeinde waren zunächst alle
Prediger der Clausthaler Marktkirche. Sie sorgten für
Gottesdienste an hohen Festtagen, „Taufen, Copulationen
(Eheschließungen) und Leichen“, der Dorflehrer hatte
Katechismusstunden abzuhalten.
Um auch außerhalb von Festtagen in Buntenbock
regelmäßig Gottesdienste abzuhalten, gab es 1762 die
Initiative, einen „quartaligen öffentlichen
Gottesdienst in der Capelle zum Buntenbock“
einzurichten. Sie sah vor, alle geistlichen
Aufgaben dem dritten Prediger der Marktkirche
allein zu übertragen. Das hätte - so die Initiative -
den Vorteil, dass Alte, Gebrechliche und Schwangere
nicht mehr im Winter und bei Dunkelheit den
beschwerlichen Weg zum Gottesdienst nach Clausthal
nehmen müssten. Auch die Clausthaler Kirchengemeinde
würde profitieren, denn die Prediger müssten nach
dem Gottesdienst nicht mehr so vielen Personen zur
gleichen Zeit die Beichte abnehmen.
An den Kosten für diese Neuregelungen mussten sich die
Buntenbocker beteiligen: sie hatten u.a. ein Honorar
für die vier Predigten aufzubringen, den Prediger
samstags für die Beichte und sonntags zum Gottesdienst
mit einem Pferdefuhrwerk abholen und zurückbringen
sowie für die vier Mittagsmahlzeiten des Pastors
sorgen. Im Oktober 1762 stimmten die Buntenbocker
dieser Regelung inkl. der finanziellen Bestimmungen zu,
sie trat im Juli 1763 in Kraft. Damit war die
geistliche Betreuung der 50 Haushalte in Buntenbock
(davon als Haushaltsvorstände 12 Fuhrherren, 13
Fuhrleute und 8 Fuhrknechte) neu geregelt.
Im 19. Jh. ging das Fuhrwesen in Buntenbock zurück,
stattdessen gab es immer mehr Berg- und Hüttenleute, so
dass 1894 sogar ein eigener Bergdankgottesdienst
eingeführt wurde. In diesem Jahr hatte Buntenbock 89
Bergleute, aber nur noch 7 Fuhrleute.
Im Gegensatz zu früher findet heute in der Buntenbocker
Dorfkirche an jedem Sonntag ein Gottesdienst statt -
dank der Unterstützung von kirchlichen Lektorinnen und
Lektoren. (hz/HA)
Literatur
Werner Hildebrand:
Buntenbock und seine kleine Dorfkirche. Allgemeiner
Harz-Berg-Kalender 1995, S. 41ff.